Studium Generale

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Das Studium Generale war ursprünglich die Bezeichnung für die frühe Form der Universitäten im Mittelalter.

Das Studium Generale bestand damals aus den sogenannten sieben freien Künsten der Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik sowie der Astronomie. Wer dieses Studium Generale erfolgreich mit dem Titel „Magister Artium“ abschloss, konnte sich danach tiefergehend einer Disziplin widmen, entweder der Theologie, der Medizin oder der Jurisprudenz. Noch bis ins 19. Jahrhundert bestand die wissenschaftliche Lehre des Studium Generale aus dem reinen Sammeln, Ordnen und Deuten von bestehendem Wissen. Spätestens mit der Humboldtschen Entdeckung der Empirie und damit der Förderung, dass Wissenschaft eine Bilanz mit dem Aufbruch zu neuen Erkenntnissen sein muss, änderten sich auch die Studiengänge, weg vom umfassenden Studium Generale zum fachspezifischen Forschen.

Seit einiger Zeit jedoch geht der Trend wieder zurück zu den Wurzeln und immer mehr Universitäten bieten wieder ein Studium Generale an. Mit dem Unterschied, dass das heutige Studium Generale keinen Studienabschluss anbietet, sondern eine Zusatzqualifikation zum eigentlichen Hauptfach bildet. Absolventen des Studium Generale besuchen neben den obligatorischen Seminaren und Vorlesungen ihres Studienganges ganz gezielt fachfremde Veranstaltungen mit dem Erwerb eines Scheins. BWLer absolvieren beispielsweise Seminare zu Kunst und Philosphie, oder Architekturstudenten einen Veranstaltungsblog zur Eurythmie.

Die Vorteile des Studium Generale liegen klar auf der Hand. Für den Studierenden sind solche Ausflüge in fachfremde Gewässer spätestens bei der Zwischenprüfung oder dem ersten Staatsexamen eine willkommene Abwechslung und vermeiden, dass man durch die gesonderten wissenschaftlichen Prüfungsthemen zum Fachidioten mutiert. Bezahlt macht sich dieser Aufwand des Studium Generale spätestens bei der Bewerbung nach dem Studium. Wer sich neben seinem eigentlichen Schwerpunkten anderen wissenschaftlichen Themen widmet, dokumentiert offenkundig sein Engagement, seinen Wissensdurst und seine gesunde Neugier, über den Tellerrand der eigenen Disziplin zu schauen. Insbesondere bei eher trockenen Studiengängen wie Jura und Betriebswirtschaft sind dokumentierte Schlenker zur Kunst und Philosophie eine hochwillkommene Qualifikation bei Personalchefs.

In einem Gespräch mit der Online-Redaktion von Junge Karriere, einem Magazin des Deutschen Handelsblatts, sagte Julian Kühn, Vorstand der GLS Treuhand, dass „gerade die aktuelle Bankenkrise zeigt, dass die Mainstreamausbildung viel zu einseitig ist“ und sogenannte Soft Skills wie Teamfähigkeit oder soziale Kompetenz im normalen Studiengang viel zu kurz kommen. Neu ist dieser Gedanke allerdings nicht. Friedrich Schiller, anerkannter Dichter und Denker, studierte Philosphie bis zur Professur. Was ihn nicht daran hinderte, sich an der Universität Jena als Gelehrter für Geschichte zu bewerben. In seiner Antrittsrede 1789 als Historiker zum Thema „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ unterschied Schiller zwischen dem philosophischem Kopf, der Kausalzusammenhänge zwischen allen wissenschaftlichen Bereichen erkennt und einbezieht, und dem Brotgelehrten, der den Blick über den Tellerrand aus Angst vor der Unkenntnis verweigert. Als Absolvent eines Studium Generale ist das ein unbedingt zitierfähiger Anspruch.


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